{"id":1943,"date":"2025-01-10T21:39:13","date_gmt":"2025-01-10T20:39:13","guid":{"rendered":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/?post_type=projekte&#038;p=1943"},"modified":"2026-04-13T10:55:11","modified_gmt":"2026-04-13T08:55:11","slug":"obdach-wien-wenn-sich-alles-auf-einmal-aendert","status":"publish","type":"projekte","link":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/projekte\/obdach-wien-wenn-sich-alles-auf-einmal-aendert\/","title":{"rendered":"Obdach Wien: Wenn sich alles auf einmal \u00e4ndert"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group info-box\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><ul>\n<li>Die Kund:in betreibt ein Tageszentrum f\u00fcr obdachlose Frauen.<\/li>\n<li>Das Zentrum hat einen neuen Standort bezogen, das Unternehmen stellt sich neu auf.<\/li>\n<li>theLivingCore hat einen Plan zur Schulung von F\u00fchrungskr\u00e4ften entwickelt, den Umzug unterst\u00fctzt und das Onboarding neuer Mitglieder im \u2013 nun doppelt so gro\u00dfen \u2013 Team begleitet.<\/li>\n<li>Aufgrund der Verbundenheit des Teams mit dem alten Standort hat theLivingCore den Prozess des \u201eLoslassens\u201c begleitet und Offenheit und Neugierde f\u00fcr die Zukunft geweckt.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Obdach Ester zieht ins Cape 10 und f\u00fchrt die \u201eduale F\u00fchrung\u201c ein<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.obdach.wien\/p\/obdachlos-tageszentren-ester\">Obdach Ester<\/a> ist ein Tageszentrum f\u00fcr obdachlose Frauen, das 365 Tage im Jahr ge\u00f6ffnet hat. Obdach Ester bietet Schutzraum f\u00fcr Frauen von der Stra\u00dfe sowie eine Basisversorgung: Aufenthalt in einem trockenen, warmen Raum, M\u00f6glichkeiten zur K\u00f6rperhygiene, Bekleidung und Lebensmittel sowie Beratungs- und medizinische Begleitangebote.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis vor kurzem war die Heimat von Obdach Ester im 6. Wiener Gemeindebezirk; im Jahr 2021 fand dann der Umzug ins <a href=\"https:\/\/cape10.at\/\">Cape 10<\/a> \u2013 Haus der sozialen Innovation und Zukunft in den 10. Bezirk statt. Wir durften das Team von Obdach Ester beim Umzug begleiten und dabei unterst\u00fctzen, die vielen Aspekte dieses Ver\u00e4nderungsprozess sinnvoll zu integrieren. Im Gespr\u00e4ch mit Kibar Dogan, Teamleiterin von Obdach Ester, lassen wir das Jahr noch einmal Revue passieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die 4 Herausforderungen bei der Umzug von Obdach Ester<\/h3>\n\n\n\n<p>Auf die Herausforderungen angesprochen, die so ein Umzug mit sich bringt, \u00fcberlegt Kibar nicht lange und nennt uns gleich vier.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Erweiterung des Raumangebots f\u00fcr Klientinnen. Obdach Ester bezog komplett neue R\u00e4umlichkeiten und konnte dadurch die Anzahl der verf\u00fcgbaren Pl\u00e4tze f\u00fcr Klientinnen von 50 auf 100 verdoppeln. Dabei war dem Team bewusst, dass der Umzug w\u00e4hrend der Pandemie eine H\u00fcrde f\u00fcr die Klientinnen darstellte. Au\u00dferdem ben\u00f6tigte man nun auch mehr Personal.<\/li>\n<li>Vergr\u00f6\u00dferung des Teams. Vor dem Umzug war das Team von Obdach Ester \u00fcberschaubar: 6 Sozialarbeiterinnen und 6 Betreuerinnen. Noch w\u00e4hrend des Umzugs fand \u2013 mitten in der der Pandemie \u2013 ein umfangreicher Bewerbungsprozess statt. Wichtig war Kibar dabei, dass die Bewerberinnen trotz Pandemie die Chance hatten, sowohl ihren Arbeitsort als auch ihre Kolleginnen kennenzulernen und zu \u201cschnuppern\u201d. Heute arbeiten bei Obdach Ester 12 Sozialarbeiterinnen und 20 Betreuerinnen.<\/li>\n<li>Neue Teamleitung und F\u00fchrungsmethoden. Durch die geplante Teamerweiterung und angeregt durch ein vorhergehendes Projekt zu \u201cneuen Leadership-Methoden\u201d, das von theLivingCore durchgef\u00fchrt wurde, haben Kibar Dogan und ihre Vorgesetzte kurz vor dem eigentlichen Umzug das Konzept der \u201cdualen F\u00fchrung\u201d vorbereitet. Duale F\u00fchrung bedeutet kurz gesagt, dass sich zwei Personen eine F\u00fchrungsposition teilen. Was in der Theorie einfach klingt, muss in der Praxis mit viel Empathie und Vertrauen eingef\u00fchrt und umgesetzt werden, damit duale F\u00fchrung gelingen kann (siehe dazu weiter unten).<\/li>\n<li>Neue Aufgaben f\u00fcr das Team. Als Konsequenz all dieser Neuerungen ergaben sich f\u00fcr das Team \u00fcberarbeitete und neue Aufgabenfelder. Die Karten wurden neu gemischt. W\u00e4hrend des Umzugs und im Zuge des Teamerweiterungsprozesses in einem partizipativen und ko-kreativen Vorgehen neue Aufgaben, Prozesse und Handlungsabl\u00e4ufe festzulegen \u2013 pandemiebedingt ohne die M\u00f6glichkeit, sie vorab auszuprobieren und zu testen \u2013 war definitiv eine Herausforderung.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>\u201cWenn ich zur\u00fcckblicke, dann w\u00fcrde ich diese Zeit durchaus als gro\u00dfe Herausforderung bezeichnen,\u201d sagt Kibar. \u201cWenn sich alles auf einmal \u00e4ndert, ist das nat\u00fcrlich eine Chance, weil man einen wirklich gro\u00dfen Schritt in die Zukunft machen kann \u2013 aber es f\u00fchlt sich \u00fcber weite Strecken unsicher an.\u201d Die Verantwortung, das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, war gro\u00df. W\u00e4re sie ausgefallen, h\u00e4tte das den Erfolg des gesamten Projekts gef\u00e4hrdet. Und genau an dieser Stelle sieht Kibar auch einen gro\u00dfen Vorteil in der dualen F\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cIch empfinde die \u2018duale F\u00fchrung\u2019, wenn sie funktioniert, als wahnsinnig wertvoll. Man kann sich austauschen, sich gegenseitig vertreten, Aufgaben aufteilen, man trifft Entscheidungen gemeinsam. Und, f\u00fcr mich wahrscheinlich das Wichtigste, man ist als F\u00fchrungskraft nicht mehr so einsam\u201d, meint Kibar.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/obdach-wien-1.jpg\" alt=\"\" \/>\n    <figcaption>Kibar Dogan, team leader von Obdach Ester. Image: Obdach Wien&nbsp;<\/figcaption> \n<\/figure>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie die duale F\u00fchrung funktionieren kann<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir fragen, was es braucht, damit duale F\u00fchrung funktioniert, und erhalten eine klare Ansage.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die F\u00fchrungskraft, die schon in der Organisation t\u00e4tig ist, muss unbedingt in den Bewerbungsprozess eingebunden werden. Es muss klar sein, wie dieser Prozess angelegt ist und wie Entscheidungen getroffen werden. Idealerweise \u2013 das war bei Kibar der Fall \u2013 ist die bestehende F\u00fchrungskraft bei den Hearings dabei und die Letztentscheidung wird in enger Absprache zwischen der bestehenden F\u00fchrungskraft und der\/dem Vorgesetzten gef\u00e4llt.<\/li>\n<li>Startet die zweite F\u00fchrungskraft, braucht es Zeit, um sich kennenzulernen. Duale F\u00fchrung lebt vor allem durch Vertrauen und ein \u201csich m\u00f6gen\u201d auf pers\u00f6nlicher Ebene. F\u00fcr Kibar war hier das begleitende Coaching sehr wertvoll, weil es dadurch regelm\u00e4\u00dfig eine Auszeit vom F\u00fchrungsalltag gab und Dinge besprochen werden konnten, die sonst vielleicht untergehen w\u00fcrden. Zum Beispiel:\n<ul>\n<li>Zwischenmenschliche Kommunikation: Ist ein \u201cpasst schon\u201d wirklich ein \u201cpasst schon\u201d oder verbirgt sich dahinter Unzufriedenheit;<\/li>\n<li>Umgang mit der gemeinsamen Vorgesetzten: Man bespricht wichtige Themen immer gemeinsam und stimmt sich vorher ab;<\/li>\n<li>Entscheidungen treffen: Abgestimmte Entscheidungen dauern zwar l\u00e4nger (ein \u201caus der H\u00fcfte schie\u00dfen\u201d ist bei dualer F\u00fchrung nicht mehr m\u00f6glich), sind aber oft qualitativ besser;<\/li>\n<li>Umgang mit den Teams: Fokus auf Werte und Haltungen, die dem F\u00fchrungsteam wichtig sind, anstelle von starren Anweisungen und Regeln.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Dar\u00fcber hinaus ist es wichtig, (selbst-konstruierte) Rollenbilder zu \u00fcberwinden. Zum Beispiel verstand sich Kibar \u00fcber Jahre als One-Woman-Show, als Ansprechperson f\u00fcr alle und in allen Belangen. F\u00fcr sie war es wichtig, dieses Bild loszulassen und Vertrauen zu haben, dass ihre Kollegin Dinge \u2013 auch wenn sie sie anders macht \u2013 schon gut machen w\u00fcrde.<\/li>\n<li>Eine wichtige Praxis, die sie und ihre Kollegin eingef\u00fchrt haben, um Vertrauen aufzubauen und Entscheidungen abzustimmen, war daher ein regelm\u00e4\u00dfiger Abstimmungstermin. \u201cEs geht nicht darum, immer einer Meinung zu sein,\u201d meint Kibar. \u201cDie Mitarbeiterinnen d\u00fcrfen auch sehen, wenn wir nicht einer Meinung sind. Aber trotzdem gibt es eine Linie, die wir gemeinsam vertreten. Um diese Linie zu finden, sind die Abstimmungstreffen so wichtig.\u201d<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und trotzdem ist die duale F\u00fchrung immer noch ein Ausnahmemodell.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cEinerseits steht dem sicher noch das Selbstbild der F\u00fchrungskr\u00e4fte im Weg. Duale F\u00fchrung ist nichts f\u00fcr Ego-F\u00fchrungskr\u00e4fte. Bei der dualen F\u00fchrung geht es darum, auch den anderen \u201cstrahlen\u201d zu lassen,\u201d betont Kibar. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssten aber auch organisationale Rahmenbedingungen geschaffen werden, die diese Ver\u00e4nderung im Selbstbild der F\u00fchrungskr\u00e4fte zulassen und unterst\u00fctzen; zum Beispiel durch Ausbildungsprogramme, die nicht prim\u00e4r auf die Schulung neuer Methoden abzielen, sondern auf Reflexionsf\u00e4higkeit und auf pers\u00f6nliche Ver\u00e4nderung auf einer Haltungsebene.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ratschl\u00e4ge f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte im Ver\u00e4nderungsprozess<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir fragen noch einmal nach: \u201cWas m\u00f6chtest du anderen F\u00fchrungskr\u00e4ften, die vor einem Ver\u00e4nderungsprozess stehen, mit auf den Weg geben?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Kibar \u00fcberlegt nicht lange: \u201cWas wirklich geholfen hat, war, dass wir lange geplant haben. F\u00fcr viele Neuerungen haben wir gemeinsam Abl\u00e4ufe erarbeitet, sie mehrmals besprochen und ausprobiert. Es kommt dann sowieso immer anders, aber eine Basis zu haben, von der aus man improvisiert, gibt Sicherheit.\u201d Und weiter? \u201cDie Status-Quo-Treffen bei euch im (theLivingCore-)B\u00fcro waren immer etwas Besonderes. Es war so wie wenn man auf eine Insel f\u00e4hrt, dort seine gedanklichen Mitbringsel ausleert, neu sortiert und dann mit einer neuen Ordnung wieder in den Alltag geht. Das hat extrem geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Teamklausuren waren so eine Auszeit, davon h\u00e4tten wir noch mehr machen sollen: sich Zeit nehmen, um \u00c4ngste und W\u00fcnsche zu besprechen. Und sich darauf besinnen, wof\u00fcr wir das alles machen: f\u00fcr unsere Klientinnen. Was mir dabei besonders in Erinnerung bleibt, ist, dass ihr die Klausuren immer sehr vielf\u00e4ltig gestaltet habt; aber niemals mit \u00dcbungen, bei denen man das Gef\u00fchl hat, man soll sich l\u00e4cherlich machen. Die Arbeit im gesamten Prozess war immer gepr\u00e4gt von Wertsch\u00e4tzung, aufrichtigem Interesse an den Personen und von dem Willen, jeden sinnvoll miteinzubeziehen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Obdach Ester hat sich alles auf einmal ge\u00e4ndert. Wer im neuen Zuhause im Cape 10 vorbeischaut, sieht, dass es eine Ver\u00e4nderung zum Guten war. Denn das ist etwas, was wir aus unserer Zusammenarbeit mit dem Fonds Soziales Wien mittlerweile wissen: In der Krise wachsen diese Menschen \u00fcber sich hinaus und schaffen mit Herz und Mut Dinge, die unm\u00f6glich scheinen!<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kund:in betreibt ein Tageszentrum f\u00fcr obdachlose Frauen. 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