{"id":1469,"date":"2025-01-13T18:07:00","date_gmt":"2025-01-13T17:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/?p=1469"},"modified":"2026-04-13T10:55:10","modified_gmt":"2026-04-13T08:55:10","slug":"eudaimonia-wie-man-arbeit-fuer-alle-sinnvoll-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/eudaimonia-wie-man-arbeit-fuer-alle-sinnvoll-macht\/","title":{"rendered":"Eudaimonia: Wie man Arbeit f\u00fcr alle sinnvoll macht"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn wir von Freude sprechen, haben wir oft eine eher oberfl\u00e4chliche Form von Gl\u00fcck im Sinn. Aber wir wollen hier nicht \u00fcber blo\u00dfes Gl\u00fcck oder Spa\u00df bei der Arbeit sprechen. F\u00fcr uns geht es bei der Freude nicht so sehr darum, einen angenehmen Moment oder ein gl\u00fcckliches Erlebnis zu haben. \u00dcberhaupt gibt es im Deutschen nur eine Reihe von irref\u00fchrenden Begriffen, die den Zustand der Erf\u00fcllung, bzw. die Gl\u00fcckseligkeit treffend bezeichnen. Das Englische \u201eJoy\u201c liegt viel n\u00e4her. Das Wort \u201eJoy\u201c kann eine Reihe von besonderen Konnotationen tragen. Anders als einfache Zufriedenheit oder vor\u00fcbergehendes Vergn\u00fcgen, weist \u201eJoy\u201c auf eine tiefere, oft anhaltende Form des Gl\u00fcckserlebens hin, die eng mit innerem Wachstum, pers\u00f6nlicher Erf\u00fcllung und einem Sinn f\u00fcr das Erreichen oder Streben nach etwas Bedeutungsvollem verbunden ist. Wir denken bei dieser freudvollen Erf\u00fclltheit daher an etwas, das bereits Aristoteles angedacht hat: Freude, im Sinne von \u201eJoy\u201c wird durch Dinge oder Situationen hervorgerufen, die unser Leben auf einer tieferen Ebene besser machen. Er nannte es \u201eeudaimonia\u201c \u2013 ein Leben in tugendhafter Bet\u00e4tigung, das zur Erf\u00fcllung unserer F\u00e4higkeiten und M\u00f6glichkeiten f\u00fchrt.[2]<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n\n<p>A passive but contented couch potato may be getting what he wants, and he may enjoy it. But he would not, on Aristotelian and other objective list theories, count as doing well, or leading a happy life.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel m. Haybron [1]<\/p>\n\n\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eudaimonia: Die Finalursache des Lebens<\/h2>\n\n\n\n<p>Es scheint unbestritten, dass jeder Mensch nach einem guten Leben strebt. Ein Leben voller Gl\u00fcck zu f\u00fchren, also ein \u201ejoyful life\u201c, erweist sich als unser h\u00f6chstes Ziel. Was also macht ein gutes Leben zum h\u00f6chsten Ziel der menschlichen Existenz? Aristoteles hat dazu einige Kriterien entwickelt, um zu beurteilen, ob etwas w\u00fcrdig ist, zur \u201eFinalursache\u201c unseres Lebens zu werden.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Erstens betont er, dass das h\u00f6chste Ziel um seiner selbst willen angestrebt werden muss. Das bedeutet, dass wir es als das genie\u00dfen, was es ist, und dass wir es nicht dazu benutzen, etwas anderes zu erreichen. Reichtum, zum Beispiel, wird in der Regel nicht um seiner selbst willen genossen, sondern als Mittel, um Luxusg\u00fcter zu kaufen oder die Bewunderung anderer zu erlangen.<\/li>\n<li>Die Finalursache muss in dem Sinne vollst\u00e4ndig sein, dass es ausreicht, um das Leben lebenswert zu machen. Das bedeutet, dass das Erreichen dieses Ziels ausreicht, um das zu erreichen, was wir ein \u201egutes Leben\u201c nennen k\u00f6nnten.<\/li>\n<li>Die Finalursache muss auch in folgender Hinsicht autark sein: Es ist etwas, das wir aus eigener Kraft erreichen oder praktizieren k\u00f6nnen, es ist nicht von Faktoren abh\u00e4ngig, die sich unserer Kontrolle entziehen. Mit anderen Worten: Die Finalursache liegt wahrscheinlich in uns selbst, denn selbst in Situationen, in denen wir die Kontrolle \u00fcber die \u201e\u00e4u\u00dferen Bedingungen\u201c verloren haben, k\u00f6nnen wir die Kontrolle \u00fcber unseren Geist, bzw. Geisteshaltung behalten.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Aristoteles zeigt, dass Eudaimonia diese Kriterien erf\u00fcllt. Eudaimonia kann \u00fcbersetzt werden als Gl\u00fcck, als erf\u00fclltes, gutes Leben. Eudaimonia ist eine Haltung, bzw. Handlungsweise, die zu tiefem Gl\u00fcck f\u00fchrt, weil diese Art von Leben in \u00dcbereinstimmung mit unseren Tugenden und durch die Verwirklichung unserer Ziele und M\u00f6glichkeiten gelebt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit anderen Worten: Eudaimonie bedeutet, in positiver Resonanz mit uns selbst, unserer Umwelt und unseren M\u00f6glichkeiten zu leben. Und das geschieht nicht von selbst. Man kann zum Beispiel ein:e begabte:r K\u00fcnstler:in sein, aber als solche:r zu leben bedeutet, seine k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeiten zu verfeinern und zu verbessern, zu lernen und zu wachsen. Das geschieht nicht in ein paar Stunden oder Tagen, sondern dauert ein Leben lang, und das aus gutem Grund, denn es ist der h\u00f6chste Wert, der unserem Leben \u00fcberhaupt Richtung und Orientierung gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus l\u00e4sst sich ableiten, dass diese Art von \u201eFreude\u201c oder \u201eGl\u00fcckseligkeit\u201c eng mit der Erfahrung von Handlungsf\u00e4higkeit und Autonomie verbunden ist. Handlungsf\u00e4higkeit und Autonomie bedeuten, dass wir in der Lage sind, zielgerichtet und proaktiv mit unserer Umwelt umzugehen, anstatt nur auf das zu reagieren, was uns begegnet. Wir m\u00fcssen uns selbst als Urheber von Ver\u00e4nderungen in unserem Leben erleben und unseren Einfluss auf andere erkennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">The Joy of Control: Die Freude an der Kontrolle<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt auch eine einfachere Form der eudaimonisch Lebensfreude. Sie begegnet uns, wenn ein Kind zum ersten Mal laufen lernt oder es schafft, alleine zur Toilette zu gehen. Unser Alltag ist voll von kleinen Erfolgsgeschichten, denen wir Aufmerksamkeit schenken und \u00fcber die wir uns freuen k\u00f6nnen. Manche Traditionen, wie z.B. der Buddhismus, legen gro\u00dfen Wert auf die bewusste Aufmerksamkeit f\u00fcr die allt\u00e4glichen Dinge und behaupten, dass sich ein tieferes, existenzielles Gl\u00fcck offenbart, wenn wir die Dinge mit Achtsamkeit tun.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Arbeitswelt stellen wir uns einen geschickten Handwerker vor, der eine Aufgabe bis zur Perfektion ausf\u00fchrt und dabei tief in sie eintaucht, engagiert und ersch\u00f6pfend konzentriert. Ein Bild, das wir sch\u00e4tzen, aber nur selten verwirklichen. In unserer schnelllebigen Welt wird es immer schwieriger, wenn nicht gar unm\u00f6glich, konzentriert zu bleiben. Bei der Arbeit sind wir aufgrund der Komplexit\u00e4t unseres digitalisierten Arbeitslebens und der Unsicherheit, mit der wir konfrontiert sind, die meiste Zeit eher abgelenkt als in einem Zustand des Flows.[3]<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/49.jpg\" alt=\"\" \/>\n    <figcaption>Aristoteles von Luca Giordano&nbsp;<\/figcaption> \n<\/figure>\n\n<p>Auf den ersten Blick k\u00f6nnte dies bedeuten, dass repetitive mechanische Arbeit am besten geeignet ist, unsere moderne Zerstreutheit und digitale Ablenkung zu vermeiden, indem wir uns voll und ganz auf vorhersehbare Aufgaben konzentrieren. Zumindest auf den ersten Blick scheinen auch die Neurowissenschaften dies zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir in Situationen handeln, die wir gut kennen und mit denen wir vertraut sind, k\u00f6nnen wir die Flow-Erfahrung erleben, weil wir den Verlauf unserer Handlungen vorhersehen k\u00f6nnen.[4] Genauso erleben wir das Gef\u00fchlt der Kontrolle nur dann, wenn wir die Auswirkungen unserer Handlungen antizipieren.[5] Und \u00fcberhaupt erleben wir das, was wir tun, nur deshalb als unser eigenes Handeln und nicht als von au\u00dfen verursachte Ereignisse, weil wir die Auswirkungen unseres Tuns vorwegnnehmen k\u00f6nnen.[6]<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: Je geschickter wir in einer bestimmten T\u00e4tigkeit werden, desto besser k\u00f6nnen wir vorhersagen, was passieren wird. Dies f\u00fchrt zu einem wachsenden Gef\u00fchl der Kontrolle \u00fcber das, was wir tun. Je einfacher die T\u00e4tigkeit ist, desto eher werden wir zu Expert:innen darin.<\/p>\n\n\n\n<p>Genie\u00dfen wir es also, erfolgreiche Gewohnheitstiere zu sein? Und brauchen wir das vielleicht sogar, um Selbstbestimmung zu erfahren? Ist einfache, mechanische Arbeit der beste Weg, um uns wieder mit uns selbst zu verbinden und bei der Arbeit in einen intensiven Flow-Zustand zu gelangen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber die Freude sein eigenes Handeln in Besitz zu nehmen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie Sie sich vielleicht denken k\u00f6nnen, ist das nicht so einfach. Ein:e Expert:in zu sein hilft uns zwar, in einen Flow-Zustand zu kommen, aber hochautomatisierte T\u00e4tigkeiten wie repetitive Aufgaben k\u00f6nnen auch dazu f\u00fchren, dass wir uns losgel\u00f6st und entfremdet f\u00fchlen \u2013 wir laufen auf Autopilot. Wir k\u00f6nnen sogar das Gef\u00fchl entwickeln, ein:e passive:r Beobachter:in der Situation zu sein. Im Extremfall haben wir sogar das Gef\u00fchl, unseren K\u00f6rper nicht mehr unter Kontrolle zu haben.[7]<\/p>\n\n\n\n<p>Studien legen unterdes nahe, dass wir, um diese unangenehmen Gef\u00fchle zu vermeiden, sogar vor einem Hintergrund der Ungewissheit handeln m\u00fcssen.[8] Schlie\u00dflich m\u00fcssen wir nur dann auf unsere Handlungen achten, wenn wir uns nicht auf die Automatisierung unseres Gehirns verlassen k\u00f6nnen. Die Art von eudaimonischer Freude, nach der wir suchen, entsteht also genau dann, wenn wir genau darauf achten m\u00fcssen, was wir tun, eben weil unsere Aufgabe irgendwie neu oder unvorhersehbar ist.[9] Die Erfahrung der Selbstbestimmung (und damit der Freude) ist viel mehr als die Erfahrung, die Kontrolle zu haben. Es ist auch die Erfahrung, die Unsicherheit zu meistern und proaktiv zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnern Sie sich an das Kind, das laufen lernt? Es ist nicht beseelt von Gl\u00fcck, weil es laufen kann. Vielmehr kommt die Freude des Kindes aus dem Prozess des Laufenlernens. Das Kind macht eine Erfahrung der Selbstaneignung und f\u00fchlt sich als Eigent\u00fcmer seines K\u00f6rpers und seiner Bewegungen. Genau diese Erfahrung des \u201eIch bin verantwortlich\u201c verankert uns im Moment. Sie ist eine wesentliche Grundlage f\u00fcr das Erleben von \u201cJoy\u201d und damit f\u00fcr eudaimonisch-freudvolles Arbeiten in den nachfolgenden Lebensphasen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Gl\u00fcck zu lieben<\/h2>\n\n\n\n<p>Inzwischen wissen Sie, dass eudaimonisches Gl\u00fcck voraussetzt, dass wir Unsicherheiten akzeptieren und an ihrer \u00dcberwindung wachsen k\u00f6nnen. Es gibt noch eine weitere Situation, in der wir unsere Grenzen der Kontrolle und Selbstbestimmung akzeptieren m\u00fcssen: die Liebe zu einem anderen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen anderen Menschen zu lieben bedeutet, ihn einfach \u201c(Mensch) sein zu lassen\u201d, die grundlegendste Form der menschlichen Erkenntnis.[10] Lieben bedeutet also, jemanden so zu kennen oder zu verstehen, dass diese Person ganz sie selbst sein kann. In unserer gewohnten Denkweise neigen wir oft dazu, anderen unser eigenes Bild von ihnen aufzudr\u00e4ngen. Jemanden wahrhaft zu lieben, bedeutet jedoch, diese Person so zu akzeptieren, wie sie wirklich ist und sie genau so zu lieben. Vor allem aber ist diese Art der Liebe eine tiefe Quelle der Freude eudaimonisch Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese F\u00e4higkeit zur Anerkennung ist nat\u00fcrlich nicht nur in romantischen Beziehungen wichtig. Sie spielt eine ebenso wichtige Rolle in platonischen Beziehungen und Freund:innenschaften, aber auch in allt\u00e4glichen Begegnungen. Letztendlich kommen wir so bis zum beruflichen Umfeld. Auch Kolleg:innen, Mitarbeiter:innen und auch ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte k\u00f6nnen erheblich davon profitieren, wenn sie lernen, die individuellen Eigenschaften ihrer Mitarbeiter bewusst anzuerkennen, zu respektieren und zu f\u00f6rdern. Eine solche Haltung kann zu einer produktiveren und positiveren Arbeitsatmosph\u00e4re beitragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das erf\u00fcllte Arbeitsleben<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend manuelle Arbeit im antiken Griechenland nicht hoch gesch\u00e4tzt wurde, hat sich dies in der Neuzeit drastisch ge\u00e4ndert. Produzieren, Herstellen und Verarbeiten sind zu Schl\u00fcsseleigenschaften des Homo Faber geworden und genie\u00dfen h\u00f6chste gesellschaftliche Anerkennung.[11]<\/p>\n\n\n\n<p>Produktivit\u00e4t, Effizienz und Optimierung sind die Ideale und Ziele der Arbeit. Es z\u00e4hlt jedoch nicht mehr der Zweck oder Nutzen des Produktes, sondern die Produktivit\u00e4t um der Produktivit\u00e4t willen und damit das pers\u00f6nliche Wohlbefinden, das durch das Produzieren und Konsumieren erfahren wird. Eine weitere Folge der modernen Arbeit: Die Arbeitsteilung \u2013 die Aufteilung und Zuweisung verschiedener Teile eines Produktionsprozesses oder einer Aufgabe an verschiedene Personen, um die Effizienz zu steigern \u2013 hat dazu gef\u00fchrt, dass wir oft das Gef\u00fchl f\u00fcr den Sinn unserer Arbeit verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In komplexen Arbeitsumgebungen k\u00f6nnen Arbeitnehmer:innen ihren spezifischen Beitrag zum Gesamtziel der Organisation, f\u00fcr die sie arbeiten, nicht mehr umf\u00e4nglich erfassen, verstehen oder \u201eersp\u00fcren\u201c. Diese Entfremdung vom \u201cPurpose\u201d[12] hat in modernen Arbeitsumgebungen, die durch Automatisierung, hyperstandardisierte und einheitliche Arbeitsprozesse, \u00fcberm\u00e4\u00dfige Arbeitsteilung (wie in global verteilten Wertsch\u00f6pfungsketten und Produktionsnetzwerken) und in Arbeitsumgebungen, in denen kognitive Technologien das urspr\u00fcngliche menschliche Denken auf ein Minimum reduzieren, zugenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weit entfernt vom Konzept der Eudaimonia sind Arbeit, Produktivit\u00e4t und Effizienz zum Selbstzweck geworden. Kontemplation wird als unn\u00f6tig oder sogar als Hindernis f\u00fcr die Produktivit\u00e4t angesehen. Unsere wertvollsten menschlichen Aktivit\u00e4ten wie origin\u00e4res Denken, \u201cParticipatory Sense-Making\u201d, Reflexion und soziale Beziehungen werden an kognitive Maschinen ausgelagert. In einigen F\u00e4llen werden sie sogar als unerw\u00fcnscht angesehen.[13]<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Arbeit, Eudaimonia und Rekreation<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu einer Gesellschaft, die von Effizienz, Produktivit\u00e4t und Geschwindigkeit getrieben wird, schlagen wir einen alternativen Ansatz f\u00fcr die Arbeit und ihre Verbindung mit \u201eJoy\u201c vor. Wir f\u00fchren das Konzept der re:creation ein. In seiner allt\u00e4glichen Bedeutung bedeutet \u201erecration\u201c eine T\u00e4tigkeit, die wir zu unserem reinen Vergn\u00fcgen aus\u00fcben, normalerweise dann, wenn wir nicht arbeiten m\u00fcssen. Wir schlagen jedoch vor, hier deutlich tiefer zu graben, denn es steckt viel mehr hinter dem Gedanken der Rekreation als nur die oberfl\u00e4chlichen Aspekte von Wellness, Vergn\u00fcgen, Spiel und Unterhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Hinweise auf die tiefere Bedeutung des Begriffs finden sich in seinen lateinischen Wurzeln. Rekreation leitet sich vom lateinischen Wort \u201erecreare\u201c ab; \u201ere-\u201c ist eine Vorsilbe und bedeutet \u201ewieder\u201c; \u201ecreare\u201c kann mit \u201eschaffen\u201c, \u201eins Leben rufen\u201c oder \u201egeb\u00e4ren\u201c \u00fcbersetzt werden. Etymologisch gesehen hat recreare verschiedene Bedeutungen, wie z. B. wiederherstellen, sich (von einer Krankheit) erholen, nach der Arbeit neue Kraft und St\u00e4rke sch\u00f6pfen, neu machen oder wiederbeleben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/48.jpg\" alt=\"\" \/>\n    <figcaption>Path Through The Forest by Gustave Courbet&nbsp;<\/figcaption> \n<\/figure>\n\n<p>Zwischen Erholung und Vergn\u00fcgen, Freizeit und Spiel besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Wir wollen unser Verst\u00e4ndnis von Rekreation jedoch nicht auf Entspannung oder blo\u00dfes Vergn\u00fcgen beschr\u00e4nken. Im Zusammenhang mit Eudaimonie, Kreativit\u00e4t und Innovation wollen wir den Aspekt der Erneuerung und Wiederbelebung von etwas betonen, das Herstellen, das Schaffen von etwas Neuem als eine T\u00e4tigkeit, die nicht notwendigerweise von Funktionalit\u00e4t und Effizienz bestimmt ist. Dieses Verst\u00e4ndnis von re:creation schlie\u00dft auch den Begriff der Freizeit mit ein.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n\n<p>We should be able, not only to work well but to use leisure well; for, as I must repeat once again, the first principle of all action is leisure. Both are required, but leisure is better than occupation and is its end; and therefore the question must be asked, what ought we to do when at leisure? -Aristotle, Politics 8<\/p>\n\n\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung der Freizeit f\u00fcr ein gutes Leben<br>\nAristoteles macht eine erstaunliche Bemerkung, die in unserer Zeit vielleicht etwas kontraintuitiv klingt. Er behauptet, dass wir um der Mu\u00dfe willen arbeiten und dass die Mu\u00dfe die eigentliche Ursache der Arbeit ist. In gewisser Weise stellt er die heutige Ordnung, die vom Imperativ der Arbeit um der Arbeit willen bestimmt ist, auf den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Heutzutage wird die Freizeit oft auf ein Mittel zur Steigerung der Produktivit\u00e4t bei der Arbeit reduziert (z. B. Nickerchenr\u00e4ume im B\u00fcro oder gem\u00fctliche Kaffee-Lounges, die zu \u201einformellen\u201c Treffen einladen).<\/p>\n\n\n\n<p>Aristoteles warnt uns jedoch davor, Mu\u00dfe mit Vergn\u00fcgen oder \u201eNichtstun\u201c zu verwechseln. Er sagt, dass die Mu\u00dfe mit einer eher kontemplativen T\u00e4tigkeit, der eudaimonia, verbunden ist. Eudaimonia ist eine \u201ezweckfreie T\u00e4tigkeit\u201c, die um ihrer selbst willen ausge\u00fcbt wird und zu einem Zustand des inneren Friedens, der \u201eKontemplation\u201c oder der Resonanz mit sich selbst f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne verstandene Freizeit ist nicht auf ein Produkt, ein Ergebnis oder eine andere Leistung ausgerichtet. Wenn sich aus diesen Aktivit\u00e4ten etwas Interessantes oder Sinnvolles ergibt, sollte dieses Produkt oder Ergebnis als Nebenprodukt betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir eine Zukunft schaffen wollen, in der jeder mit Freude arbeiten kann, m\u00fcssen wir uns Eudaimonia zu eigen machen und dar\u00fcber nachdenken, wie wir sie in unseren Organisationen anwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne kann die Arbeit nicht durch rein funktionale und mechanistische Routinen erledigt werden. Tiefe Einsichten und neues Wissen m\u00fcssen als Nebenprodukte betrachtet werden, die aus einem Zustand der Mu\u00dfe oder der Neusch\u00f6pfung hervorgegangen sind. Sie sind nicht das Ergebnis dessen, was wir als produktive Arbeit bezeichnen w\u00fcrden. Mu\u00dfe und Kontemplation m\u00fcssen zu einer Voraussetzung f\u00fcr zielgerichtete Arbeit werden, die darauf abzielt, eine sinnvollere Welt zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ansicht wird nicht nur von der Philosophie, sondern auch von neueren Erkenntnissen der Neuro- und Kognitionswissenschaften gest\u00fctzt. Um nur einige zu nennen: Es gibt Belege daf\u00fcr, dass die menschliche Kreativit\u00e4t ihre Wurzeln im Ruhezustand des Gehirns sowie in meditativen Aktivit\u00e4ten [14] hat oder dass Kreativit\u00e4t aus einer subtilen Oszillation zwischen divergentem und konvergentem Denken, zwischen bewussten, unbewussten und entspannten Gehirnzust\u00e4nden und -prozessen entsteht.[15]<\/p>\n\n\n\n<p>Studien zeigen auch, dass das Niveau des kreativen Probleml\u00f6sens in nat\u00fcrlichen und ruhigen Umgebungen h\u00f6her ist, was durch die so genannte \u201eattention restoration theory\u201c der Aufmerksamkeit und durch die Aktivierung des \u201cdefault mode network\u201d, das w\u00e4hrend der Ruhephase aktiv ist, erkl\u00e4rt wird.[16]<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der Zukunft unserer globalen Gesellschaft, die durch Pandemien und Sinnverlust traumatisiert ist, scheint das Streben nach einem eudaimonischen, sinnerf\u00fcllten Leben f\u00fcr alle der Weg nach vorn zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie mehr dar\u00fcber erfahren m\u00f6chten, wie Sie Eudaimonie in Ihrer Organisation anwenden und den Menschen helfen k\u00f6nnen, ihrer Arbeit mit sinnstiftender Freude nachzugehen, k\u00f6nnen <a href=\"https:\/\/enjoyable-company.org\/\">Sie jetzt unser Buch The Enjoyable Company kostenlos herunterladen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/20.jpg\" alt=\"\" \/>\n    <figcaption>&nbsp;<\/figcaption> \n<\/figure>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n\n\n\n<h2>Referenzen<\/h2>\n<p>[1] Haybron, D (2020). Happiness, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2020 Edition), Edward N. Zalta (ed.), <a href=\"https:\/\/plato.stanford.edu\/archives\/sum2020\/entries\/happiness\/.\">https:\/\/plato.stanford.edu\/archives\/sum2020\/entries\/happiness\/.<\/a><\/p>\n<p>[2] Aristotle (1991). Nicomachean ethics (fourth ed.). In J. Barnes and Aristotle (Eds.), The complete works of Aristotle. The revised Oxford Translation (Vol 2) Princeton, N.J.: Princeton University Press.<\/p>\n<p>[3] Nakamura, J., &amp; Csikszentmihalyi, M. (2002). The concept of flow. In C. R. Snyder &amp; S. J. Lopez (Eds.), Handbook of positive psychology (pp. 89\u2013105). Oxford University Press.<\/p>\n<p>[4] Nahmias, E. (2005). Agency, authorship, and illusion. Consciousness and Cognition, 14(4), 771\u2013785. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.concog.2005.07.002\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.concog.2005.07.002<\/a><\/p>\n<p>[5] Pacherie, E. (2007). The Sense of Control and the Sense of Agency. Psyche, 13(1). <a href=\"https:\/\/jeannicod.ccsd.cnrs.fr\/ijn_00352565\">https:\/\/jeannicod.ccsd.cnrs.fr\/ijn_00352565<\/a><\/p>\n<p>[6] Haggard, P. (2017). Sense of agency in the human brain. Nature Reviews Neuroscience, 18(4), 196\u2013207. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/nrn.2017.14\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/nrn.2017.14<\/a><\/p>\n<p>[7] de Haan, S., &amp; Fuchs, T. (2010). The Ghost in the Machine: Disembodiment in Schizophrenia \u2013 Two Case Studies. Psychopathology, 43(5), 327\u2013333. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1159\/000319402\">https:\/\/doi.org\/10.1159\/000319402<\/a><\/p>\n<p>[8] Lukitsch, O. (2020). Effort, Uncertainty, and the Sense of Agency. Review of Philosophy and Psychology, 11(4), 955\u2013975. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s13164-020-00486-6\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s13164-020-00486-6<\/a><\/p>\n<p>[9] Gerrans, P. (2014). The measure of madness: Philosophy of mind, cognitive neuroscience, and delusional thought. MIT Press.<\/p>\n<p>[10] de Jaegher, H. (2019). Loving and knowing: reflections for an engaged epistemology. Phenomenology and the Cognitive Sciences, 20(5), 847\u2013870. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11097-019-09634-5\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11097-019-09634-5<\/a><\/p>\n<p>[11] Arendt, H. (2007). Vita activa oder Vom t\u00e4tigen Leben. Piper Verlag.<\/p>\n<p>[12] Smith, A., &amp; Fressoli, M. (2021). Post-automation. Futures, 132, 102778. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.futures.2021.102778\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.futures.2021.102778<\/a><\/p>\n<p>[13] Vidovic, P. and M.F. Peschl (2020). The design and enaction of digitalised environments. Ramifications of digital transformation for creativity, innovation, and humanism. In J. Fritz and N. Tomaschek (Eds.), Digitaler Humanismus. Menschliche Werte in der virtuellen Welt, pp. 41\u201357. M\u00fcnster: Waxmann.<\/p>\n<p>[14] Tang, Y., B.K. H\u00f6lzl, and M.I. Posner (2015). The neuroscience of mindfulness meditation. Nature Reviews Neuroscience 15(4), 213\u2013225.<\/p>\n<p>[15] Maldonato, M., S. Dell\u2019Orco, and A. Esposito (2016). The emergence of creativity. World Futures 72(7-8), 319\u2013326.<\/p>\n<p>[16] Atchley, R.N., D.L. Strayer, and P. Atchley (2012). Creativity in the wild: Improving creative reasoning through immersion in natural settings. PLoS ONE 7(12), e51474<\/p>\n<p>Featured Image: Arthur Yao<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir von Freude sprechen, haben wir oft eine eher oberfl\u00e4chliche Form von Gl\u00fcck im Sinn. Aber wir wollen hier nicht \u00fcber blo\u00dfes Gl\u00fcck oder Spa\u00df bei der Arbeit sprechen. F\u00fcr uns geht es bei der Freude nicht so sehr darum, einen angenehmen Moment oder ein gl\u00fcckliches Erlebnis zu haben. \u00dcberhaupt gibt es im Deutschen &#8230; <a title=\"Eudaimonia: Wie man Arbeit f\u00fcr alle sinnvoll macht\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/eudaimonia-wie-man-arbeit-fuer-alle-sinnvoll-macht\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Eudaimonia: Wie man Arbeit f\u00fcr alle sinnvoll macht\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":1798,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1469","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1469"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4165,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1469\/revisions\/4165"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}