{"id":1054,"date":"2024-12-04T13:09:22","date_gmt":"2024-12-04T12:09:22","guid":{"rendered":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/?p=1054"},"modified":"2026-04-13T10:55:12","modified_gmt":"2026-04-13T08:55:12","slug":"ganzheitliches-lernen-ermoeglichen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/demo2.egm.at\/www.thelivingcore-original.com\/ganzheitliches-lernen-ermoeglichen-2\/","title":{"rendered":"Ganzheitliches Lernen erm\u00f6glichen \u2013 durch \u201cSingle, Double, Triple Loop Learning\u201d"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir leben in einer wissensgetriebenen Gesellschaft, in der die Generierung und erfolgreiche Nutzung von neuem Wissen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist \u2013 f\u00fcr die einzelne Person, aber auch f\u00fcr Unternehmen. Die Gestaltung von Lern-Settings, in denen nicht nur altes Wissen vermittelt, sondern vorrangig neues, noch unbekanntes Wissen \u201egehoben\u201c wird.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n\n<p>Die Freude des Staunenden ist die Freude eines Beginnenden, eines auf immer noch Neues, Unerh\u00f6rtes gefassten und gespannten Geistes.<br>\n(Pieper, 2003, p. 68f)<\/p>\n\n\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bei allen \u2013 gro\u00dfteils positiven \u2013 Ver\u00e4nderungsbem\u00fchungen in Bezug auf Lehr\/Lerninhalte, -methoden und \u2013r\u00e4ume besteht doch oft die Tendenz, dass die Lernenden reduziert werden auf Objekte, denen es neue Skills und Methoden \u201canzutrainieren\u201d gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit Menschen sich jedoch wirklich auf Lernen \u2013 im Sinne einer radikalen Erneuerung des bestehenden Wissens \u2013 einlassen, ist es notwendig, den Menschen in seiner Einzigartigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, und zu fragen: \u201cWas ist der Mensch? Was bedeutet eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen als lernendes Wesen? Wie muss dieser Mensch sich selber ver\u00e4ndern, damit das Gelernte nicht nur abstrakt bleibt, sondern mit Leben erf\u00fcllt wird?\u201d<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201cDer Mensch im Mittelpunkt\u201d \u2013 Implikationen f\u00fcr Lern- und Wissensprozesse<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Mensch ist ein Lebewesen, in dem drei Ebenen eng zusammen spielen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die vegetative Ebene: diese Ebene umfasst Aspekte wie Nahrungsaufnahme, (k\u00f6rperliches) Wachstum, Fortpflanzung und Handeln.<\/li>\n<li>die sensible Ebene: diese Ebene betrifft Wahrnehmung (\u201cWie nehme ich die Welt \u00fcber meine Sinne wahr?\u201d) und Emotionen (\u201cWie empfinde ich die Welt?\u201d).<\/li>\n<li>die geistige Ebene: hier geht es um das tiefer Verstehen der Welt, in dem, was sie ist und bedeutet, um Haltungen und Werte sowie darum, diese Welt aus diesem Verstehen und den Haltungen heraus zu ver\u00e4ndern \u2013 durch bewusste Entscheidungen (freier Wille). Jeder Vorgang des Verstehens und der freien Willensentscheidung f\u00fchrt zu (geistigem) Wachstum.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die vegetative, sensible und geistige Ebenen sind eng miteinander verbunden. Ich kann zB nur etwas wollen (im Sinne von mich willentlich frei Entscheiden), nachdem ich es wahrgenommen und verstanden habe, wie ich dazu emotional eingestellt bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gelungenes Design von Lehr\/Lern-Settings ber\u00fccksichtigt alle drei der oben beschriebenen Ebenen. Nur so kann Lernen der Ganzheit des Menschen gerecht und der Lernerfolg gesteigert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solch integrative Konzeption ist eine Herausforderung: Im Idealfall werden (abstrakte) Inhalte auch immer mit einer emotionalen Komponente aufgeladen und zB mit einer visuellen Darstellung, die \u00fcber die Sinne wahrnehmbar ist, kombiniert. Bestenfalls gehen diese Lerninhalte mit einer konkreten Handlung oder \u00dcbungen einher und werden so besser verstehbar und erlebbar gemacht. Tats\u00e4chlich wird in den meisten Lern-Settings jedoch nur eine der drei Ebenen angesprochen \u2013 der Lernerfolg bleibt dementsprechend oft weit unter den Erwartungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lehr\/Lernstrategien, um ganzheitliches Lernen zu erm\u00f6glichen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lineares Lernen<\/h3>\n\n\n\n<p>Immer noch ein Klassiker und weit verbreitet sind lineare Lern-Settings: ein Lehrender (\u201cWissender\u201d) tr\u00e4gt den Stoff vor und die Lernenden (\u201cUnwissenden\u201d) h\u00f6ren zu (und schreiben mit). In linearer Weise geschieht die Aneignung des Lernstoffes aber zum Beispiel auch \u00fcber den Konsum von Texten, B\u00fcchern, Webseiten, Fernsehen etc. Das Wissen wird quasi wie ein Objekt \u201cdownloaded\u201d, auswendig gelernt und \u201c1 zu 1\u201d wiedergegeben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Annahmen hinter dieser Lernstrategie<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wissen wird als ein statischer Gegenstand gesehen, dessen Bedeutung nicht bzw. kaum verhandelbar ist: Es geht darum, Gelerntes m\u00f6glichst genauso wiederzugeben, wie man es geh\u00f6rt oder gelesen hat (und es nicht notwendiger Weise verstanden zu haben). Lernen findet im (individuellen) Kopf statt: Wissen wird von einem Gehirn zum anderen weitergegeben, Lernen besteht nicht aus Interaktion, sondern durch das relativ passive Aufnehmen des Lernstoffs.<br>\nBeim linearen Lernen findet so gut wie keine Reflexion \u00fcber den Lernstoff statt, die Inhalte werden mechanisch vermittelt und gelernt. Dies f\u00fchrt zu einem Lernen ohne Verstehen: Inhalte k\u00f6nnen aufgenommen und wieder gegeben werden, auch wenn sie nicht verstanden wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispielhafte Methoden<\/strong> f\u00fcr lineares Lernen sind unter anderem: Vortrag, Frontalunterricht, Lernen aus Lehrb\u00fcchern, Filmen und Web-Dokumenten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was wird vermittelt<\/strong>: Faktenwissen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Single Loop Learning<\/h3>\n\n\n\n<p>Single Loop Learning fokussiert auf das Wie bzw. das Funktionieren eines Ph\u00e4nomens. Single Loop Learning ist eine relativ konservative Lernstrategie: was bereits gut funktioniert, wird nicht hinterfragt oder ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Annahmen hinter dieser Lernstrategie<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wissen ist ein dynamischer Prozess und entsteht aus der (direkten) Interaktion und aus unseren Erfahrungen mit der Umwelt. Dabei passen sich Wissensstrukturen an die Umweltstrukturen an. Lernen ist ein Trial-and-Error Prozess: Fehler in der Vorhersage l\u00f6sen einen Lernprozess aus und f\u00fchren zu einer Ver\u00e4nderung des Wissens. Eine offene Haltung gegen\u00fcber \u201eFehlern\u201c ist eine notwendige Voraussetzung hierf\u00fcr. Das dabei entstehende Wissen fokussiert sich auf die Frage: \u201cWie funktioniert etwas?\u201d Es ist ein Konstrukt, das sich permanent und mit jeder Interaktion ver\u00e4ndert. Beim Single-Loop Learning findet keine Reflexion \u00fcber Annahmen statt (im Sinne von \u201cWarum funktioniert das so, wie es funktioniert?\u201d und \u201cK\u00f6nnte es grunds\u00e4tzlich auch anders funktionieren?\u201d).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispielhafte Methoden<\/strong>: Lernen an einem Objekt, Lernen aus der direkten (subjektiven) Erfahrung, Rollenspiele, Prototyping.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was wird vermittelt<\/strong>: Erfahrungswissen, Skills.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Double Loop Learning<\/h3>\n\n\n\n<p>Double Loop Learning geht davon aus, dass Wissen immer in einen Referenzrahmen von subjektiven Annahmen und Sichtweisen auf Alltagsph\u00e4nomene eingebettet ist. Annahmen entstehen u.a. als Resultat unserer Interaktion mit der Umwelt, aus kulturellen Lernprozessen, Erziehung, etc. Sie bestimmen den Bedeutungs- und Interpretationsraum des Wissens und sind in den meisten F\u00e4llen nicht explizit. Allerdings sind Annahmen ver\u00e4nderbar, wenn wir uns f\u00fcr Reflexion und Hinterfragen \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Double Loop Learning zielt darauf ab, Annahmen nicht nur explizit zu machen, sondern diese auch systematisch zu ver\u00e4ndern. Dadurch entsteht ein neuer Bedeutungsraum, in dem bereits bekannte Ph\u00e4nomene von einer neuen Perspektive, aus einem neuen Blickwinkel gesehen werden k\u00f6nnen. Ein eing\u00e4ngiges und bekanntes Beispiel daf\u00fcr ist zB der Paradigmenwechsel vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild. Diese neue Perspektive auf die Welt machte zB die moderne Schiffahrt erst m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Double Loop Learning werden Pr\u00e4missen und Annahmen reflektiert, hinterfragt und ver\u00e4ndert \u2013 und dadurch werden neue Wissensr\u00e4ume und letztlich neue Handlungs- und Interaktionsr\u00e4ume geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispielhafte Methoden<\/strong>: Dialog, Reflexion, Stukturlegetechnik, Lehrender versteht sich als Coach.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was wird vermittelt<\/strong>: Verstehen und Einsicht \u00fcber die eigenen Annahmen des Denkens sowie die F\u00e4higkeit, diese Annahmen zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Triple Loop Learning<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Single und Double Loop Learning prim\u00e4r auf Ver\u00e4nderungen in der kognitiven und affektiven Ebene abzielen, steht im Triple Loop Learning nach Markus Peschl die individuelle Person mit ihren Werten und ihren Haltungen im Vordergrund (existenzielle\/geistige Ebene). Beim Triple Loop Learning geht es nicht mehr prim\u00e4r um das Erlernen von Skills oder Wissen, sondern um pers\u00f6nliche Ver\u00e4nderung\/Transformation \u2013 um Werte, Haltungen und Habitus. Zeitlich erstreckt sich das Triple Loop Learning meist \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum als die beiden anderen Formen des Lernens. Es handelt sich hierbei um tiefe Ver\u00e4nderungen des Menschen, um das Reifen einer Person, um ein \u201czu-sich-selbst-Finden\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Triple Loop Learning ist daher auch die schwierigste Form des Lernens, da es sehr pers\u00f6nlich ist und es \u201cum einen selbst\u201d geht. Es bedarf eines starken Willens zur pers\u00f6nlichen Ver\u00e4nderung und geht \u00fcber Wissen und K\u00f6nnen hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispielhafte Methoden:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.igi-global.com\/chapter\/theory-u-and-emergent-innovation\/94893\">Theory U<\/a> (nach Otto Scharmer), frame (theLivingCore) unterschiedliche Formen einer Therapie, Formation, das Stellen existentieller Fragen, tiefgreifende Erlebnisse (\u201clife changing events\u201d).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was wird vermittelt<\/strong>: Verstehen und Einsicht \u00fcber die eigenen Werte und Haltungen; Einsicht \u00fcber die eigene Bestimmung (\u201cWas will das Leben von mir?\u201d); Klarheit \u00fcber Unterschiede oder \u00dcbereinstimmungen der pers\u00f6nlichen Werte und Haltungen mit den Werten des Unternehmens; F\u00e4higkeit, (t\u00e4gliche) Handlungen auf die eigenen (gew\u00fcnschten) Werte und Haltungen zu beziehen bzw. diese miteinander zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Organisationen verf\u00fcgen im Prinzip \u00fcber einen unendlichen Schatz an Wissen; damit einher geht umfassende Macht \u2013 und Verantwortung -, die (wirtschaftliche, \u00f6kologische, soziale, politische) Zukunft zu gestalten. Die Konzeption von ganzheitlichen Lern-Settings, die nicht nur auf Wissensvermittlung oder Skill-building abzielen, sondern den ganzen Menschen mit seinen individuellen Lebensfragen und Potenzialen im Blick haben, ist daher nicht nur eine \u00f6konomisch relevante Aufgabe, sondern auch ein Dienst an der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind davon \u00fcberzeugt und die Erfahrung in vielf\u00e4ltigen Projekten zeigt, dass das Konzept des Triple Loop Learning f\u00fcr diese Herausforderung sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene zukunftsweisende Handlungsanleitungen geben kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n\n\n\n<h2>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/h2>\n<p>Argyris, C and D.A. Sch\u00f6n (1978). Organizational learning: a theory of action perspective. Reading, MA: Addison-Wesley.<br \/>\nArgyris, C. and D.A. Sch\u00f6n (1996). Organizational learning II. Theory, method, and practice. Redwood City, CA: Addison-Wesley.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/constructivist.info\/2\/2-3\/136\">Peschl, M.F. (2007). Triple-loop learning as foundation for profound change, individual cultivation, and radical innovation. Construction processes beyond scientific and rational knowledge. Constructivist Foundations 2(2-3), 136\u2013145.<\/a><br \/>\nTsoukas, H. and N. Mylonopoulos (Eds.) (2004). Organizations as knowledge systems. Knowledge, learning and dynamic capabilities. Basingstoke, New York: Palgrave Macmillan.<\/p>\n<p>Featured image: Timo Volz at Unspash<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in einer wissensgetriebenen Gesellschaft, in der die Generierung und erfolgreiche Nutzung von neuem Wissen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist \u2013 f\u00fcr die einzelne Person, aber auch f\u00fcr Unternehmen. 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